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26. Januar 2026

Rollenverteilung für eine ertragreiche Vermietung

Asset Manager, Property Manager und Makler sind oft gleichzeitung an der Vermietung beteiligt. Das kann Prozesse verzögern und zu Leerständen führen – Experten erklären, welche Strukturen erforderlich sind, um erfolgreich zu vermieten.

Ein professionelles Vermietungsmanagement entscheidet über den wirtschaftlichen Erfolg von Immobilien. Ausreichender und verlässlicher Cashflow in Form von Mieten ist Voraussetzung für Finanzierungen. Gewerbeimmobilienprojekte kommen ohne hohe Vorvermietungsquote meist gar nicht zustande und auch bei Mietwohnungsprojekten ist der Forward Deal ohne Vorvermietung nicht mehr gefragt.

An der Vermietung sind Asset Manager, Property Manager und externe Makler beteiligt. Sind deren Rollen unklar verteilt, kann das zu verzögerten Vermietungsprozessen, unstimmiger Marktansprache und Leerständen führen. Welche Strukturen erforderlich sind, um Objekte erfolgreich zu vermieten, diskutierten vier Immobilienexperten bei einem Online-Panel auf Einladung von Rueckerconsult.

Kommunikation: Spielregeln statt Kompetenzgerangel

Eine zentrale Ursache vieler Konflikte sind unklare Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen, so das Panel. Zu viele Ansprechpartner, parallele Abstimmungen und fehlende Bündelung der Kommunikation nach außen führten häufig zu Missverständnissen und Verzögerungen. Erfolgreiche Vermietungsprojekte zeichneten sich durch klar definierte Rollen, feste Ansprechpartner und abgestimmte Entscheidungswege aus.

"Jede beteiligte Seite braucht einen festen Ansprechpartner, damit der Informationsfluss nicht ins Leere läuft", erklärte Martin Schubert, Head of Letting Management Berlin bei HIH Real Estate. Gebe es auf einer der Seiten mehrere Ansprechpartner, könne das fatal sein: Nicht jeder wisse immer genau, um was es gehe, oft müsse auf Grundlage von Halbwissen entschieden werden.

Während Asset Manager die strategischen Leitplanken definieren, sind Property Manager und Makler operative Vermietungsspezialisten. Eingebunden sind oft auch Fonds- und Investmentmanager oder die Eigentümer selbst.

"Fehlt es an klaren Zuständigkeiten und gemeinsamen Zielvorstellungen, drohen Konflikte – etwa zwischen schneller Vollvermietung und langfristig tragfähigen Mietverträgen", so Schubert. Besonders wichtig sei es, bereits zu Beginn eines Vermietungsprojekts mit allen Beteiligten Einigkeit über Verantwortlichkeiten und Ziele herzustellen. Dazu zählen unter anderem die Festlegung von Mietpreiskorridoren, Laufzeiten, Investitionsrahmen sowie der Umgang mit Incentives wie mietfreien Zeiten oder Ausbauzuschüssen.

Vermietung: diese Fehler gilt es zu vermeiden

Der Wunsch einer schnellen Vermietung im Neubau ist laut Jürgen Hau, Geschäftsführer von Industria Immobilien, häufig nicht realisierbar und auch nicht immer sinnvoll. "Zunächst einmal schließt man gewöhnlich nicht nach einer Besichtigung sofort mit dem ersten Interessenten einen Mietvertrag ab." Vor allem in Städten, die nicht Top-Standort sind, sei der Vermietungsaufwand sehr viel höher. Das sei auch eine Frage der Mieterbonität.

"Wir werden bei großen Neubauprojekten mit der Erstvermietung beauftragt. Hier müssen wir oft zwischen 100 bis 400 Einheiten auf einmal vermieten", sagt Sascha Nöske, CEO von Strategis. Da gelte es schnell zu sein, denn bis zur Baufertigstellung sollte es als Vorgabe der Auftraggeber möglichst keinen Restleerstand mehr geben. Das höherpreisige Vermietungssegment habe Ähnlichkeiten mit dem Vertrieb von Eigentumswohnungen.

Bei Wohnungsneubauten muss laut Nöske asymmetrische Vermietung vermieden werden. Die entsteht, wenn die Mietpreise innerhalb eines größeren Wohnprojekts nicht differenziert genug nach den tatsächlichen Qualitäten der einzelnen Einheiten eingepreist werden. Die attraktiven Wohnungen werden schnell vermietet – jedoch zu einem zu niedrigen Einheitspreis. "Das Ergebnis ist ein nur teilweise vermietetes Objekt, bei dem die zweite Hälfte der Einheiten nur noch mit Abschlägen platziert werden kann. Die geplante Gewinnmarge kommt dann nie", erklärte der Strategis-CEO.

Wohnung oder Gewerbe vermieten: die Anforderungen

Die Ziele bei Wohn- und Gewerbevermietung sind den Experten zufolge trotz unterschiedlicher Strukturen vergleichbar: hohe Mieterträge, wenig Leerstand. Während sich das kleinteilige Wohnsegment in der Vermietung besser skalieren lässt, ist die Gewerbevermietung demnach stärker von individuellen Nutzeranforderungen, Flächenkonzepten und langfristigen strategischen Überlegungen geprägt. Wohnen in den Ballungsräumen ist seit Jahren ein Vermietermarkt, der Gewerbebereich wandelt sich hingegen zum Mietermarkt – mit deutlich längeren Vermarktungszeiten.

"Unsere Arbeit ist viel beratungsintensiver geworden", berichtete Stephan Wege, Head of Office Letting NRW beim Maklerunternehmen Colliers. Früher sei es überwiegend um die reine Vermarktung gegangen. "Mittlerweile sehen wir uns eher als Sparringspartner für den Eigentümer", so Wege. Es gehe zunehmend auch darum, Strategien gemeinsam zu entwickeln, Risiken abzuwägen und Szenarien aufzuzeigen. Landlord Representation, wo Eigentümer oder Asset Manager strategisch und operativ über den gesamten Vermietungsprozess hinweg vertreten werden, würden immer stärker nachgefragt.

HIH Real Estate-Vermietungsmanager Schubert ergänzte: "Der härteste Konkurrent der Neuvermietung ist die Bestandsvermietung von Gewerbeimmobilien." Mit der Bestandsvermietung würde zwar nicht die große Mietsteigerung erzielt, dafür fallen weder Maklercourtage noch Incentives an und Leerstandsrisiko und Umbauzeiten sind geringer.

Green Lease, ESG, Nebenkosten, Ladesäulen: Was zählt?

Nachhaltigkeit bleibt ein großes Thema im Vermietungsmanagement. "Bei den großen Corporates ist ESG ganz vorne auf der Agenda und wird auch nicht mehr verschwinden", ist Colliers-Experte Wege sicher. "Das Thema Green Lease spielt bei den Großkonzernen eine übergeordnete Rolle. Bei kleineren Unternehmen ist das eher untergeordnet. Da stehen Nebenkosten im Fokus oder beispielsweise auch E-Ladesäulen."

Wenn Industria Projekte einkauft und platziert, ist ESG immer ein Thema. Der Spannungsbogen ist dann laut Geschäftsführer Hau der Energieeinkauf, "weil man so die zweite Miete möglichst attraktiv gestalten kann." Das sei für die Mieter ein On-Top-Thema.

Im Wohnbereich wiederum gewinnen den Panelisten zufolge vor allem stabile und bezahlbare Nebenkosten an Bedeutung. Digitale Vermietungsprozesse, strukturierte Datenräume und transparente Dokumentation würden zum Standard – auch um Geschwindigkeit und Qualität in einem wettbewerbsintensiven Markt zu sichern.

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